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 Versionsvergleich 
 
Das Original von 1981   Die Klassikerversion von 1999
Das Duell mit dem Vampir
Original

515 679.3 (1981)
  Das Duell mit dem Vampir
Klassiker-Version

74321 67962 4 (1999)

Seite 1
Seite 2
 Die Sprecher des Hörspiels

Erzähler Christian Rode
Tom Fawley Horst Frank
Eireen Fawley Brigitte Kollecker
Señorita Alvarez Cordula Hubrich
Doktor Joachim Wolff
Wolfsmensch Carlo Masur (ungeklärtes Pseudonym)
Polizist Andreas Beurmann
1. weibl. Hotelgast Heikedine Körting

Buch: H. G. Francis
Produktion und Regie: Heikedine Körting
Musik und Effekte: Bert Brac / Tonstudio EUROPA
Eine Studio EUROPA-Produktion
Künstlerische Gesamtleitung: Dr. Beurmann

 

 Erste Information

Nina Linnepe fertigte die Transkription des Hörspiels "Das Duell mit dem Vampir" an und ließ gleichzeitig den Vergleich zu der überarbeiteten Version (seit August 1999 im Rahmen der "Rückkehr der Klassiker" auf MC und CD erhältlich) miteinfließen. Sicherlich sind die Unterschiede zwischen beiden Versionen nicht so massiv wie z.B. bei "Dracula - Jagd der Vampire" und "Dracula - Die Geschichte des berühmten Vampirs" bzw. anderen Halver-Hörspielen, die nach Jahren von Heikedine Körting und Hella von der Osten-Sacken gekürzt oder neu bearbeitet wurden. Doch wer auch immer die Gruselserie in die "Klassiker"-Reihe transformiert hat: Er setzte die Schere nicht nur bei den Musiken, sondern auch in den Dialogen an. Manchmal macht dies Sinn, manchmal ist so eine Bearbeitung jedoch vollkommen fragwürdig.

 
 Die Faustregel zum Lesen der Hörspielabschrift:

 
• Partien, die weggeschnitten wurden, sind fettgedruckt.

- Señorita Alvarez: (überlegt) Mmmh ... Besonderes? Nein, es war so dunkel, ich konnte nichts erkennen.

In der Originalfassung sagt Señorita Alvarez demnach: "Mmmh ... Besonderes? Nein, es war so dunkel, ich konnte nichts erkennen", woraus in der Klassikerversion wird: "Mmmh ... Besonderes? Es war so dunkel, ich konnte nichts erkennen." Nebenbei: Es wurden nicht nur Worte, sondern auch Sprechpausen eliminiert.

• Ergänzungen, die in der Urfassung fehlen, sind unterstrichen.

- (Musik beginnt im Hintergrund.)

Diesem Beispiel zufolge beginnt eine Musik, die in der Originalfassung nicht zu hören war, im Hintergrund. Entweder wurde sie einer Szene beigefügt, die in der Originalfassung ohne Musik auskam, oder aber sie ersetzt eine alte Musik - dann ist die Angabe jener alten Musik unterstrichen dargestellt. Apropos alte Musiken: Wann immer die Melodiebögen aus den Kassetten "Die drei ??? und ihre Hits" und "Horror Pop Sounds" stammen, ist der jeweilige Musiktitel angegeben.

 

 Schnitte in der Originalfassung ?

Daß Señor Petersen im Hörspiel nichts zu suchen hat, obwohl er erwähnt wird (s.u.), wirft so viele Fragen auf, daß man sich des Gedankens nicht erwehren kann, "Das Duell mit dem Vampir" als ein Flickwerk zu betrachten. An diesem Hörspiel muß während der Produktion soviel geändert worden sein, daß nicht nur ein Geister-Señor auftaucht, sondern daß sich zudem weitere Ungereimtheiten ergaben. Wie kamen sie zustande? Durch Kürzung? Wahrscheinlich. Denn an einigen Stellen hat man durchaus den Eindruck, daß bereits in der Originalversion von 1981 Dialogpassagen weggeschnitten wurden - aus welchen Gründen auch immer. Klarheit brächte wohl nur das Originalmanuskript, sofern es überhaupt noch existiert. Vielleicht täuschen wir uns ja auch; prüft es einfach selbst nach: Hier sind die Zeiten (auf der Basis der Klassiker-CD) bzw. die betreffenden Sätze, an denen wir das Gefühl nicht los werden, daß etwas fehlt:

• Track 2, 1:27:
Tom: Mittlerweile hat sie sich von ihrem Schock erholt und redet nicht mehr solchen Unsinn daher! [Krks] Was ich noch sagen wollte: Gute Nacht!

• Track 2, 1:57:
Tom: Eireen?
Eireen: (verschlafen) Ja? [Krks]
Tom: Weißt du, ich sollte an der Rezeption fragen [...]

• Track 5, 3:59 & 4:02:
Doktor: Ja, er entkommt mir nicht! Ich hab' wenigstens einmal getroffen! Vielleicht nicht ins Herz, aber ich hab' ihn getroffen! [Krks]
Señorita Alvarez: Ich dachte, dieser Wahnsinnige bringt mich um! [Krks]
Tom: Was ist denn das für ein Hammer? Und was soll dieser Keil?

 

 Horst Frank in der falschen Zeile

In einer Szene spricht Horst Frank an einer Stelle offensichtlich Brigitte Kolleckers Text; er hat sich wohl in der Textzeile des Manuskripts geirrt:

• Track 3, 5:16:
Tom: Raus hier, Eireen, komm schnell, das ist der Wolf, er kämpft mit jemandem!!!
Eireen: Oh, To-om!
Tom: Nun hilf' -
Eireen: Hilf' mir!

Ob das bei den Sprachaufnahmen außerhalb des Aufnahmeraumes überhaupt registriert wurde? Kaum. Akzeptiert man, daß Horst Frank mit dem Manuskript vor seiner Nase nicht hundertprozentig vertraut war, so könnte man dasselbe in einer anderen Szene erahnen:

• Track 5, 0:55:
Tom: Endlich!
Eireen: (atmet aus)
Tom: Endlich! Er - ohh ...
Eireen: Er läuft weg, er flüchtet!

Doch ob dem so ist, wird niemand klären können ...

 

 Señor Petersen

"Ich habe Señor Petersen dabei, der Sie gefunden hat." Und der Goldene Ohropax geht an ... die Regisseurin, den Künstlerischen Gesamtleiter und die Toningenieure, die die Polizisten-Passage entweder überhörten oder sie bewußt im Hörspiel ließen - im guten Glauben, daß niemand sich fragen würde, was dieser Quatsch soll ...

Wir fragen es uns aber! Daß der Protagonist mit einem falschen Nachnamen versehen wird, ist ein Fehler, der darauf schließen läßt, daß die in den Hauptrollen agierenden Eheleute ursprünglich auf den Namen "Petersen" hörten. Umgekehrt gab es das ja schon einmal, denn das Ehepaar Brown in "Frankensteins Sohn" hieß ursprünglich "Fawley": Man änderte lediglich die Vor- und Nachnamen im Skript (wandelte den "Daily Telegraph" - wie originell - in den "Daily Mirror" um), und ließ die Browns als Ehepaar auftreten; nur leider titulierte man Maggie skriptgetreu als "Miss". Dieses "Fräulein" hat sie Eireen zu verdanken.

Die Gründe, warum das Ehepaar Petersen auf Fast-Nimmerwiederhören verschwand und den Fawleys Platz machte, liegen im Dunkeln. Sagten die Sprecher ganz kurzfristig vorher ab, und standen Frank und Kollecker zufällig an dem Tag zur Verfügung? Ein Anruf bei Franciskowsky, und die Änderungen am Skript waren abgesegnet? Oder wandelte man die Petersens in die Fawleys um, um Horst Frank bewußt eine zusätzliche Hauptrolle zu verschaffen? Wer weiß das schon?

Tatsache ist jedoch: Nimmt man an, daß "Das Duell mit dem Vampir" ursprünglich als Petersen-Hörspiel geschrieben und teilweise auch so aufgenommen wurde, so verwundern einige andere Dinge nicht mehr:

• Die Fawleys sind im Urlaub - das ist seltsam genug. Zudem erwähnen sie den "Daily Telegraph" mit keinem Wort und erwecken auch sonst nicht den geringsten Eindruck ihrer früher allgegenwärtigen journalistischen Berufung. Wo ist Toms Kamera? Wo sind Eireens bohrende Fragen? All dies war bei den Petersens natürlich nicht eingeplant.
• Wo wir gerade bei Wo-Fragen sind: Wo sind die süffisanten Wortgefechte und die ironischen Fawley-Flirts, die "Nessie" und "Dracula trifft Frankenstein" so sehr auszeichneten? Wo wohl ...?
• Warum geht Tom und Eireen nicht ein Sonnenlicht auf, als die Frau im Sarkophag zu Staub zerfällt? Warum weiß Tom nicht, was der Werwolf mit dem Pfahl und dem Hammer vorhatte? Weil das Ehepaar Petersen nicht auf Schloß Mordabrunn zugegen war.
• Günther Ungeheuer hat den Erzählertext nicht gesprochen? Er hat ihn sehr wohl gesprochen, doch geschah dies offenbar vor der Änderung des Skripts. Ein Text, in dem dutzende Male die "Petersens" erwähnt werden, war wohl doch bei den Produzenten auf offene Ohren gestoßen. Was auch immer verhinderte, daß Ungeheuer den Text neu sprach (Termine? Räumliche Entfernung? Gage?): Monsterspinnen-Sheriff Christian Rode durfte für ihn einspringen. Der Polizist Andreas Beurmann dürfte mit der räumlichen Entfernung keine Probleme gehabt haben, doch offensichtlich war er so sehr mit der Künstlerischen Gesamtleitung beschäftigt, daß er für die paar Sätze des Polizisten nicht zur Verfügung stand. Die Parts von Cordula Hubrich und Joachim Wolff können durchaus nach den Änderungen aufgenommen worden sein.
• Allerdings fällt auf, daß Hubrich und Wolff die Namen der Fawleys (genauer gesagt: nur Toms, und noch genauer gesagt: nur seinen Vornamen) erst in der letzten Szene erwähnen. Waren der Doktor und die Señorita eben doch schon im Kasten, und wurden aus allen anderen Szenen die Namensnennungen entfernt? Die daraus resultierende Unlogik läßt grüßen! Wurde nur die letzte Szene von Wolff und Hubrich neu gesprochen? Aber wer weiß, vielleicht hieß Señor Petersen mit Vornamen sowieso schon "Tom" ...
• Letztes Rätsel: Warum sind Tom und Eireen auf einmal verheiratet? Die Antwort klingt verdammt prüde, sie ist jedoch wahrscheinlich: Weil die Fawleys im Parador in demselben Hotelzimmer schlafen. Hatte das turtelnde Reporterpärchen in "Nessie" und "Dracula trifft Frankenstein" nicht getrennte Betten? Dies wird zwar in keinem der beiden Hörspiele erwähnt, läßt sich aber aus der jeweiligen Handlung herauslesen. Da "Das Duell mit dem Vampir" eine nicht streichbare Szene erforderte, in welcher man gemeinsam in einem Zimmer nächtigte, bemühte man zur Erklärung schnell den Satz "Warum habe ich dich bloß geheiratet?" Tja. Warum bloß ...?

Sind wir der Wahrheit ein Stückchen näher gekommen? Haben wir uns von ihr entfernt? Lacht sich soeben ein Eingeweihter beim Lesen dieser Zeilen kaputt? Wenn Letzteres der Fall ist, würden wir gerne mitlachen und uns freuen, wenn er/sie das Geheimnis mit uns teilen würde! Vielleicht war ja alles auch ganz anders ...

 


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H.G. Muck Versionsvergleiche und Transkriptionen
präsentiert von www.europa-vinyl.de und den Gruselseiten!

Dieser Gastbeitrag von Nina Linnepe erschien am 30.10.1999 erstmals in den Gruselseiten und ist seit dem 25.11.2000 auch auf der www.europa-vinyl.de zu finden.

Sven Haarmann/Harald Lutz, 25. November 2000

 

© Sven Haarmann / Nina Linnepe (25. Oktober 1999)